Wertschätzung

Es fällt mir immer wieder auf, wie oft Menschen von Wertschätzung sprechen. Oft deshalb , weil man sich eben nicht wertgeschätzt fühlt oder man sich mehr Wertschätzung wünscht.

Aber was bedeutet "Wertschätzung" eigentlich?

Im Duden findet man unter der Rubrik Bedeutungsübersicht Folgendes: "Ansehen, Achtung; Anerkennung; hohe Einschätzung". Obwohl mit Wertschätzung oft Leistung oder Taten in Verbindung gebracht werden, betrifft es doch eher den Menschen als Ganzes.

Ich schätze einen Menschen nicht auf Grund einer einzigen Tat wert. Nein, die Person als Ganzes mit all seinen Ecken und Kanten erhält von mir Wertschätzung.

Wertschätzung zählt unter anderem auch zu den drei Grundprinzipen der personzentrierten Psychotherapie. Rogers, der Begründer dieser Richtung, sprach von "unconditional positive regard", was auf deutsch "bedingungslose positive Wertschätzung" bedeutet. Das heißt nicht, dass man in allen Lagen dem Gegenüber positiv gestimmt ist. Nein. Es bedeutet, dass man die Person mit seinen/ihren Ansichten respektiert und akzeptiert, auch wenn sich die persönliche Meinung vielleicht davon unterscheidet. Es geht vielmehr um das Angenommen-/Akzeptiert-Sein. Und es ist nunmal eine Tatsache, dass wir Menschen uns alle unterscheiden. Wäre doch langweilig, wenn wir alle gleich gesinnt wären und jeder alles gutheißen würde.

Obwohl? Vielleicht gäbe es dann keine Kriege mehr?! Aber das ist ein anderes Thema...


Was ich über die Wertschätzung noch sagen möchte: das Positive bei unbedingter positiver Wertschätzung bedeutet aus dem englischen Original, dass Wertschätzung überhaupt gegeben ist, jedoch in keiner Wertung, weder positiv noch negativ. Als personzentrierte Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision* bringe ich meinem Gegenüber mit all seinen/ihren Besonderheiten Wertschätzung entgegen. Die humanistischen Psychotherapeuten sind sich da ziemlich einig, dass Wertschätzung ein Grundbedürfnis des Menschen darstellt, damit sich dieser auf seine/ihre ganz einzigartige Weise entwickeln kann. Und um diese zu erhalten, braucht man ganz einfach ein Gegenüber. Also wie schon Martin Buber sagte: "Vom du zum ich." Erst durch die Wertschätzung meiner gesamten Person durch zumindest eine andere, kann ich mich vollkommen, meinen Möglichkeiten entsprechend entwickeln und entfalten. Erst dann ist es möglich, zu Dem/Der zu werden, der/die ich in Wahrheit wirklich bin.


Gibt und empfängt man Wertschätzung, so soll sich dies auch sehr positiv auf den Selbstwert auswirken. Es gibt somit einen Zusammenhang zwischen Selbstwert und Wertschätzung. (Marshall B. Rosenberg. (2016). Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens. Junfermann Verlag, Paderborn.)


Angenommen-Sein genau so, wie DU BIST. Hat man eine Person gefunden, die einen so nimmt wie man wirklich ist, so hat man, meiner Meinung nach, im Leben schon etwas Gutes erreicht.


* Weil sich manche vielleicht fragen was das bedeutet: Ich befinde mich im letzten Teil meiner Ausbildung und muss dabei meine Arbeit mit einer erfahrenen Kollegin für eine bestimmte Zeit supervidieren, bevor ich ganz abschließen kann.

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